A Lion Tamer Story2021/2018

Collagen, Text pictures, 3D Prints, Video

A Lion Tamer Story

Die Basis für Christina Werners Arbeit A Lion Tamer Story liefern biografische Episoden einer Frau, die um Migration und die „Neuerfindung“ der eigenen Biografie kreisen. Die Protagonistin – in Kroatien geboren, und über die Schweiz nach Österreich emigriert – verfolgte zu Beginn ihrer Migrationsgeschichte den Wunsch, als Löwen Dompteurin nach „Afrika“ zu gehen. Diese wenigen biografischen Anhaltspunkte – ob reale oder fiktiv bleibt offen – werden durch die Installation der Künstlerin in eine multiperspektivische und multimediale Collage übersetzt. Die mehrteilige Installation, bestehend aus Fotocollagen, einem Textbild, einem Vorhang, im 3D-Druck-Verfahren hergestellten Objekten und einem Video gibt Archivmaterialien und persönlichen Erinnerungen eine Bühne. Hier finden sich unzählige Gesten und Geschichten weiblicher Selbstermächtigung, wie sie erst durch Lebensentwürfe abseits gesellschaftlicher Normative, etwa die Arbeit im Zirkus, ein nomadisches Leben oder einfach fernab der Heimat möglich wurden. Ein alternatives Bild dieser selbstbestimmten und gleichberechtigten Frauen entwirft die Künstlerin mit ihren Fotocollagen historischer Bilder von Dompteurinnen und Artistinnen – Motive aus dem umfassenden Recherchematerial, welche sie buchstäblich zur Aufführung bringt.

Vor allem das Video liefert eine zeitgenössische Interpretation dieser Faszination, die die durchaus zahlreichen prominenten Vertreterinnen der Zunft der Löwentrainer*innen ausstrahlten. Bändigten sie doch mit dem Löwen eines der zentralen, mit männlicher Macht konnotierten Symbole schlechthin, wobei die Tatsache, dass es sich meist um Löwinnen handelte, durchaus erwähnenswert ist. Einen subtilen Hinweis darauf geben die im 3D-Druck gefertigten Löwinnenköpfe, die die Installation bevölkern.

Weniger subtil sind die Gesten der Selbstermächtigung, wie sie im Video von der Performerin neu interpretiert und in abstrahiertem Modus re-inszeniert werden. Die an die Rotunde eines Zirkuszelts erinnernde Gerüstkonstruktion, welche sie umrundet und durchschreitet, ist in seiner Doppeldeutigkeit besonders ergiebig, ist es doch Bühne und Käfig zugleich. Ob es sich bei der Performerin um die beherrschende oder die beherrschte Figur handelt, bleibt unserer Interpretation überlassen. Auch im Video kommt die Collage als Mittel produktiver Dekonstruktion zum Einsatz. Die drei Erzählstränge überlagern einander: Gespräche über gefundenen Fotografien wechseln mit Liedfragmenten und der Erzählerin ab, die Performance wird durch abgefilmtes Archivmaterial, Fotografien, Alben und Notizen unterbrochen und so in einen neuen Bedeutungszusammenhang überführt. Eine bewusste Strategie, die die Frage, wer hier für wen spricht, verunklärt und die Grenzen zwischen Dokumentation und Fiktion, zwischen Vergangenem, Gegenwärtigem verschwimmen lässt.

Georgia Holz

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Performerin: Nora Jacobs
Rotunde (im Video): Nora Jacobs
Stimme Löwendompteurinnen & Pixelcloud: Nora Jacobs
Animation Pixelcloud: Felix Leffrank
Gesang: Anastasia Clemens

Edition:

„Von jener Zukunft die nur in der Vergangenheit zu finden sein wird.“
29,7 x 42 cm, Offsetprint, Hologrammschrift/Heißfoliendruck
ungerahmt, Auflage: 50 + 2 AP, 2018
Preis: 130 €